Hintergrundinformation Änderung Flächenwidmung Biomasse-Heizanlage Oberau

Die Hackschnitzel-Heizanlage wurde im Jahr 2001 durch die bäuerliche Heizgenossenschaft Wildschönau reg.Gen.m.b.H. errichtet. Das erklärte Ziel war, durch Biomasse-Wärmeversorgung den Ortskern von Oberau zu versorgen. Mit der Verwendung des nachwachsenden Brennstoffs Holz können regionale Wirtschaftskreisläufe gestärkt und durch die Vermeidung von biogenen Brennstoffen eine CO2-Einsparung erreicht werden. Aus diesem Grund sollten möglichst viele Gebäude zu einem Anschluss an das Nahwärmenetz motiviert werden. Das war das erklärte Ziel der damaligen Gemeindeführung unter Bgm. Peter Riedmann. Von Beginn an wurden deshalb Gewerbebetriebe, Tourismusgebäude, Gebäude der Gemeinde und Privathäuser durch die bäuerliche Heizgenossenschaft mit Nahwärme versorgt.

In den letzten Jahren hatte die Anlage zunehmend mit Problemen v.a. Emissionen und damit in weiterer Folge verständlicherweise mit Beschwerden der Anrainer zu kämpfen. Letztendlich wurde 2015 der Baubescheid für einen Umbau bzw. Zubau eines Pufferspeichers beeinsprucht, da die Fläche eine Widmung als „Sonderfläche Hauptschule“ aufweist. Da die zulässigen Flächenwidmungen für einen Gewerbebetrieb auf Sonderflächen seit dem ersten Baubescheid strenger überprüft werden, musste nun die Flächenwidmung für das Areal auf „Schulareal, Kindergarten, Hackschnitzelheizwerk“ geändert werden. Am 15.02.2016 wurde durch den Gemeinderat der Gemeinde Wildschönau der Beschluss zur Auflage der entsprechenden Änderung des Flächenwidmungsplans gefasst. Innerhalb dieser Auflagefrist wurde wiederum der Einwand gegen die entsprechende Änderung des Flächenwidmungsplans eingebracht. (sh. „Einwand Änderung Flächenwidmung und ROK“)

 

Der Gemeinderat der Gemeinde Wildschönau nimmt diese Bedenken der Anrainer sehr ernst.

Und so entschied man sich, vor einer weiteren Beschlussfassung alle Möglichkeiten für eine Standortverlegung eingehend zu prüfen.

Es wurde eine Machbarkeitsstudie zu möglichen Varianten für eine Standortverlegung des Heizwerks in Auftrag gegeben. Die Studie erstellte die Fa. SEEGEN – Salzburger Erneuerbare Energie GenmbH. Dabei wurden fünf Standorte vom derzeitigen Standort bis zu einem Standort am Waldrand in 600 mt Entfernung geprüft. (sh. „SEEGEN – Machbarkeitsstudie Biomasse-Wärmeversorgung Wildschönau Varianten für Standortverlegung des Heizwerkes)
Als Ergebnis muss zusammengefasst werden, dass eine Verlegung des Standorts derzeit wirtschaftlich nicht möglich ist, da die Aufwendungen für den Bau an einem neuen Standort durch die bäuerliche Heizgenossenschaft nicht finanzierbar sind.

Darüber hinaus sind auch die Förderungsrichtlinien derzeit so gestaltet, dass nur ein Standort in der Nähe der Hauptabnehmer in Frage kommt. Voraussetzung für die Förderung von Investitionen in die Heizanlage ist die Erreichung eines gewissen rechnerischen Gesamtwirkungsgrades. Sollte das Heizhaus an einen weiter entfernten Standort neu gebaut werden, sinkt durch höhere Leitungslänge im Verhältnis zum Wärmeverkauf der Gesamtwirkungsgrad und das Projekt kann nicht mehr gefördert werden!

Damit ist eine Verlegung des Standortes für die Zukunft realistisch betrachtet einfach nicht möglich – auch wenn das für den Gemeinderat der Wunsch oder die bevorzugte Lösung gewesen wäre.

Und so beschäftigte man sich weiter intensiv mit der Frage, wie der derzeitige Standort verbessert werden kann.

 

Um einen weiteren Betrieb am derzeitigen Standort auch in Zukunft zu ermöglichen muss sichergestellt werden, dass alle Grenzwerte im Bereich der Schulen und Anrainer eingehalten werden können. Aus diesem Grund wurde die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt, um die immissionsseitigen Auswirkungen der Feinstaubemissionen des Heizwerkes darzustellen.

Von Seiten der ZAMG wurde mit Emmissionswerten am derzeitigen Standort bei Austausch des alten Kessels gerechnet. Die dem Gutachten zugrunde gelegten Staubgrenzwerte (75 mg/Nm³ bei 11% O2) entsprechen den Werten lt. aktueller Förderrichtlinien für die „Förderung der Nahwärmeversorgung auf Basis erneuerbarer Energieträger“ (eine Umweltförderung des BMLFUW – managed by Kommunalkredit Public Consulting).
Diese Grenzwerte sind über die behördlich vorgeschriebenen Emissionsauflagen hinaus für Staub und NOx dauerhaft einzuhalten und nach Projektumsetzung mittels Messgutachten nachzuweisen.

 

Das Gutachten der ZAMG liegt nun ebenfalls vor. (sh. Gutachten „ZAMG – Feinstaubimmission infolge der Emissionen des Heizwerkes OberauWildschönau“)
Als Ergebnis daraus kann zusammengefasst werden, dass die Feinstaubimissionen im Ortsgebiet von Oberau bei allen Varianten in Zukunft deutlich unter den Irrelevanzschwellen liegen werden. (Irrelevanzschwelle = 3% der erlaubten Grenzwerte). Die Hauptbelastung durch Feinstaubimmissionen befindet sich in der unbebauten Hanglage/Wald östlich des Ortsgebiets. Eine Verlegung des Standorts macht deshalb auch aus Sicht der Feinstaubimmissionen wenig Sinn.
Hier muss auch deutlich darauf hingewiesen werden, dass wie bereits oben erwähnt, als Basis die zukünftig zu erreichenden Emissionswerte für das Gutachten der ZAMG verwendet wurden. Es geht darum, eine Lösung zu finden, wie das Heizwerk in ZUKUNFT funktionieren kann!

 

 

In einer Besprechung Mitte August wiesen Bgm. Hannes Eder und VBgm. Norbert Moser die bäuerliche Heizgenossenschaft darauf hin, dass bei Verbleib am derzeitigen Standort die berechneten Werte und Immissionen auch tatsächlich eingehalten werden müssen. Dazu sind umfangreiche Verbesserungen notwendig. Aus diesem Grund wurden mehrere Maßnahmen für die Jahre 2016 bis 2020 vereinbart. (sh. „Maßnahmen Standort Heizgenossenschaft Wildschönau“) Der wichtigste Teil dabei ist der Einbau eines neuen Kessels auf neuestem Stand der Technik.

Die Bäuerliche Heizgenossenschaft Wildschönau reg Gen.m.b.H. verpflichtete sich, die festgelegten Maßnahmen lt. Zeitplan in den Jahren 2016-2020 umzusetzen. Die Fa. SEEGEN – Salzburger Erneuerbare Energie GenmbH übernimmt die Verantwortung, dass nach Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen Pufferspeicher und Kesseltausch spätestens per 31.12.2017 die Emissionswerte, die für die Berechnung der ZAMG zugrunde gelegt wurden, auch im tatsächlichen Echtbetrieb erreicht werden.

Neben all dieser Maßnahmen muss auch festgehalten werden, dass die Heizgenossenschaft als Gewerbebetrieb auch von der Gewerbebehörde laufend überprüft wird und die Emissionswerte zum Schutz der Nachbarn eingehalten werden müssen. Andernfalls kann die Betriebsgenehmigung der Anlage auch wieder aufgehoben werden.

 

Auf jeden Fall wurde auf Basis dieser Erhebungen und Informationen am 29.08.2016 im Gemeinderat der Gemeinde Wildschönau der einstimmige Beschluss gefasst, den Einwand gegen die Änderung des ÖRK und Flächenwidmungsplans abzuweisen und die Widmung damit zu bestätigen.

Als Reaktion darauf wurde nun die Bürgerinitiative für eine Standortverlegung Heizwerk Oberau gegründet und seitdem Unterstützungserklärungen für dieses Anliegen gesammelt. (sh. „Initiative Standortverlegung Heizwerk“)

Bezugnehmend auf die Argumente der Bürgerinitiative muss ergänzt werden, dass für das Gutachten der ZAMG keine „Feinstaubmessung“ durchgeführt wurde. Es stellt vielmehr eine Berechnung über die Verteilung der Emissionen im Ortsgebiet von Oberau dar. Aufgabenstellung für das Gutachten war zu ermitteln, ob mit einem neuen Heizkessel auf neuestem Stand der Technik Beeinträchtigungen für Nachbarn/Anrainer durch Feinstaubimmissionen zu erwarten sind – was nicht festgestellt werden konnte.

Zusammengefasst ist darauf hinzuweisen, dass die Gemeinde Wildschönau die Bedenken und Befürchtungen der Anrainer und Nachbarn sehr ernst nimmt. Die derzeitigen Probleme mit der Verbrennung bei der Heizanlage sind offenkundig und diese Probleme müssen auch gelöst werden!
Fest steht auf der anderen Seite auch, dass eine Standortverlegung aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich ist. Es gilt deshalb die Anlage am derzeitigen Standort auf einen neuen Stand der Technik zu bringen und damit einen auch für die Nachbarn erträglichen Betrieb zu sichern.

Stellungnahme von Bürgermeister Hannes Eder:

 

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  • Wappen Gemeinde Wildschönau: gemeinde wildschönau