Landärztliche Versorgung: Anfrage an alle wahlwerbenden Parteien

Auf Initiative von GV Dr. Richard Lanner erging an alle Wahlwerbenden zum Tiroler Landtag eine Anfrage bezüglich der Zukunft der landärztlichen Versorgung.

Bisher eingelangte Antworten:

Impuls Tirol:

“Ich bedanke mich für Ihre Anfrage und darf Ihnen Mitteilen, dass wir bereits 2015 einen entsprechenden Antrag im Tiroler Landtag eingebracht haben (nachzulesen auch auf unserer Homepage www.impuls-tirol.at) .

Dieser Antrag wurde nach entsprechendem Einsatz von uns aucheinstimmig angenommen, leider happert es bis jetzt bei der Umsetzung.

Ich hatte vor ca. 14 Tagen wieder eine entsprechende Arbeitsrunde mit allen Zuständigen wie Landesrat Tilg, Ärztekammer, Krankenkassen, betroffen Ärzte BKH Lienz usw. initiert und dabei festgestellt, dass jetzt doch die Dringlichkeit dieser Thematik allgemein erkannt wird.

Ich hoffe, dass der neue Tiroler Landtag sich um eine schnelle Umsetzung bemüht.

Sollten wir von impuls-tirol wieder dabei sein, wird dieses Thema eines unserer wichtigsten Anliegen im Landtag sein.

Mit freundlichen Grüßen

Josef Schett
Abgeordneter zum Tiroler Landtag”

SPÖ-Tirol:

“Vielen Dank für Ihre Anfrage. Im Namen von Spitzenkandidatin Elisabeth Blanik darf ich Ihnen folgende Antwort übermitteln:

Der flächendeckende Ausbau von wohnortnahen, niederschwelligen Zugängen zur kassenärztlichen Versorgung ist konsequent umzusetzen.

 Um die ärztliche Versorgung am Land sicherzustellen, müssen attraktivere Rahmenbedingungen, die Forcierung von Gruppenpraxen und ausgewogene Gesundheitssprengel mit FachärztInnen geschaffen werden.

 Zudem steht die neue SPÖ Tirol dafür, dass im Einklang mit einem größeren Angebot an Filialapotheken und dem Erhalt der Hausapotheke eine flächendeckende Arzneimittelversorgung gewährleistet wird. Ebenso sollten für alle Tiroler MaturantInnen und angehende MedizinstudentInnen kostenlose Vorbereitungskurse für den Medizinaufnahmetest angeboten werden, um einem Ärztemangel im ländlichen Raum entgegenzuwirken.

 Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit dieser Antwort weiterhelfen.

 Beste Grüße,

 Mag. Lukas Matt, Die neue SPÖ Tirol – Kommunikation und Marketing Salurnerstraße 2, A 6020 Innsbruck”

Grüne-Tirol:

“Ich darf mich für Ihr Schreiben sehr herzlich bedanken und als zuständige Gesundheitssprecherin der Grünen möchte ich auf Ihre Darstellungen antworten.

Sie haben mir Ihrer Beschreibung der Probleme absolut Recht und ich kann Ihnen nur vollinhaltlich zustimmen. Wir sind seit mindestens 2 Jahrzehnten sehenden Auges in diese äußerst prekäre Situation hingeschlittert. Ich habe bereits vor meiner Zeit im Tiroler Landtag mehrmals darauf hingewiesen, dass wir auf einen Versorgungsengpass im niedergelassenen Bereich hinsteueren, weil das “Gesamtsystem Gesundheit” ein äußert schwerfälliges ist, das von einzelnen Interessensgemeinschaften gesteuert wird. Diese stellen leider nicht die Patient*innen in den Mittelpunkt, sondern ihr eigenes Klientel.

So wurden und werden vernüftige Lösungen entweder von Beginn an im Keim erstickt oder bleiben auf halber Strecke stecken. Damit werden nur zusätzliche Kosten produziert bzw. keine eingespart.

Die Versorgung im niedergelassenen Bereich  – besonders in periphären Regionen – ist ein Paradebeispiel dafür, wie Gesundheitspolitik nicht funktionieren kann.

Ich bin der Ansicht, dass man mit der Installation von Primärversorgungseinrichtungen einen ersten richtigen Schritt gesetzt hätte, um Ärzt*innen ein zeitgemäßes und adäquates Berufsumfeld zu schaffen. Leider ist man auf Bundesebene auf halben Weg stehen geblieben und hat auf Grund der Interventionen der Ärztekammer wieder nur eine halbe Lösung zu Stande gebracht.

Ein attraktiver Arbeitsplatz beinhaltet meiner Meinung nach einen soliden Grundgehalt, geregelte Arbeitszeiten und eine Aufteilung des Bereitschaftsdienstes plus eine gute Ausstattung der Praxis, damit sowohl eine gute diagnostische Abklärung erfolgen kann, als auch eine gute Behandlung.

Es wird für zukünftige Ärzt*innen immer wichtiger, dass sie sich eine Praxis teilen können und die Arbeitszeit gut enteilen können.

Schaffe ich diese Primärversorgungseinrichtungen, dann habe ich mehrere Ärzt*innen, die bei ausgedehnten Öffnungszeiten felxibel arbeiten können und auf Grund der Größe der Praxis auch eine gute Ausstattung haben (Geräte und Labor werden gemeinschaftlich angeschafft und genutzt) und kann andere Berufsgruppen für etwaige Therapien dabei haben (Diätassistent*innen, Physiotherapeut*innen etc.) auch die Bereitschaftsdienste werden auf mehreren Schultern verteilt und stellen so nicht mehr diese Herausforderungen dar.

Für die Menschen vor Ort heißt das, dass sie fast rund um die Uhr betreut werden können und auch eine Therapie erfolgen kann. Das ist dann der zweite große Vorteil von dieser neuen Struktur.

Ich nehme hier gerne das Beispiel einer Lungenentzündung. Diese kann in dem geschilderten Fall leicht diagonstiziert werden und wenn der Arzt dann auch gleich das Medikament abgeben darf, ist das eine erfolgreiche Behandlungskette und kostet rund 70€. Muss aber die Patient*in auf Grund einer nicht gut ausgestatteten Praxis zu einem Lungenfacharzt, dann kostet das gleich das Doppelte und sollte der Weg ins Krankenhaus erforderlich sein, weil eben keine Medikamente vom Arzt ausgegeben werden können, dann explodieren die Kosten für das System sofort ins Unendliche.

Wir müssen seitens der Politik ganz klar Vorgaben machen und das Interesse der betroffenen Menschn in den Vordergrund rücken und nicht die Wünsche der Interessensvertretungen. Ich sehe leider zur Zeit auf Bundesebene wenig Interesse und leider brauchen wir den Bund sowohl für das Rahmengesetzt als auch für die Finanzierung.

Ich muss Ihnen auch ehrlicherweise sagen, dass ich kein Freund bin von der Idee der Medical School, die hier in Tirol ja eingrichtet werden soll, um diesen Versogungsengpass aufzuhalten.

Aus meiner Sicht, dauert es min. 15 Jahre, bis die erste Ärtzin fertig sein wird und dann ist immer noch nicht geklärt, ob die Maßnahmen rechtlich gedeckt sind, diese Absolvent*innen für eine bestimme Anzahl von Jahren an eine landtärtzliche Praxis zu binden.

Wir brauchen gute Arbeitsbedingungen, eine solide Entlohnung und transparente und einfache Strukturen. Ich habe das mehrfach eingefordert und werde das auch weiterhin tun.

Sollte es Ihrerseits noch Fragen geben, dann stehe ich Ihnen gerne auch telefonisch geren zur Verfügung. Meine Nummer finden Sie unten.

MfG

DI Gabriele Fischer

Abgeordnete zum Tiroler Landtag
Grüner Klub im Landhaus”

ÖVP-Tirol:

“Herzlichen Dank für Ihre Anfrage, die wir seitens der Tiroler Volkspartei wie folgt beantworten dürfen:

Die Sicherstellung der medizinischen Versorgung am Land ist einer der Schwerpunkte, denen wir uns in den nächsten Jahren mit aller Kraft widmen werden.

1. Das Land Tirol ist permanent bestrebt, in Verhandlungen mit der Tiroler Gebietskrankenkasse die Rahmenbedingungen für Ärztinnen und Ärzte in Tirol zu verbessern. Folgende Eckpunkte wurden beispielsweise in einem Maßnahmenpaket, das für die Jahre 2016 bis 2018 beschlossen wurde, festgelegt.

  • Mehr Honorar: Um 14,3 € Millionen wurde das Honorarvolumen und damit die Attraktivität der vertragsärztlichen Tätigkeit erhöht – nicht zuletzt wird dadurch die Versorgung, insbesondere im allgemeinmedizinischen Bereich, sichergestellt und gestärkt.
  • Ausbau der Mindestordinationszeit: Diese Mehrinvestition bringt auch Verbesserungen in der Erreichbarkeit bzw. Versorgungswirksamkeit mit sich, da die wöchentliche Mindestordinationszeit auf 22 Wochenstunden angehoben wird. Daneben wurde die Gesprächsmedizin in den Fokus gerückt.
  • Zusätzliche Ärztestellen: Auch Stellenplanänderungen wurden beschlossen und neue Kassenstellen in Tirol geschaffen.
  • Leistungsorientiertere Honorierung: Die Punktestaffel, die maßgeblichen Einfluss auf die Honorierung nimmt, wurde geändert. Ein Mehr an Leistung wird dadurch entsprechend honoriert.
  • Attraktive Zusammenarbeitsformen: Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Ärzten wurden verbessert, bereits bestehende Zusammenarbeitsformen wurden adaptiert und neue Kooperationsmodelle eingeführt. (Stichwort: Praxenteilung)

2. Vor allem auf Initiative der VP-Nationalräte Josef Lettenbichler und Hermann Gahr wurden im Jahr 2016 Verbesserungen im Apothekengesetz – gegen massivsten Widerstand der Österreichischen Apothekerkammer – in Hinsicht auf die Eröffnung neuer Hausapotheken und dem Beibehalt bestehender Hausapotheken beschlossen. Trotzdem stellen diese Verbesserungen für uns nur einen ersten Schritt dar, weil unserer Meinung nach grundsätzlich zu hinterfragen ist, inwieweit der Gebietsschutz bei Apotheken Sinn macht. Insbesondere dann, wenn das eigentliche Ziel dieser Regelung, nämlich die flächendeckende medizinische Versorgung der Bevölkerung sicher zu stellen, durch die starre Gesetzgebung eher behindert als befördert wird.

3. Durch die kürzlich durch den Tiroler Landtag erfolgte Novellierung des Gemeindesanitätsdienstgesetzes konnten maßgebliche Erleichterungen und Verbesserungen im Bereich des Sprengelärztewesens erreicht werden. Das Land Tirol bezahlt auf Initiative von Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg die Notarztversorgung auch durch niedergelassene Ärzte und stellt dafür im Jahr 2018 etwa 9,7 Millionen Euro zur Verfügung.

Lg

Sebastian Kolland, BSc

Pressesprecher, Tiroler Volkspartei”

 

 

Dies ist keine Wahlwerbung für einzelne Parteien. Auch soll keine Präferenz für eine bestimmte politische Gruppierung oder Gesinnung zum Ausdruck gebracht werden. Die Anfrage wurde an alle wahlwerbenden Parteien und Listen versandt. Die Antworten wurden nach dem Datum ihres Einlangens gereiht.

Sollten noch Antworten einlangen werden diese selbstverständlich auch hier veröffentlicht.

image sources

  • Anfrage: Gemeinde Wildschönau
  • wildschoenau-infoplattform_wappenbild_320x320px_2017_1.0: Gemeinde Wildschönau