LITTERIS ET ARTIBUS – für WISSENSCHAFT UND KÜNSTE

Höchste Ehrungen für em. Univ. Prof. Dr. Josef Riedmann

In coronabedingt kleiner, aber hochkarätiger Runde wurde am 15. September an em. Univ. Prof. Dr. Josef Riedmann, bei uns bekannt als „Zimmermoaster Seppö“, das „Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse“ verliehen.

Rektor Tilmann Märk hatte zu dem Festakt in die altehrwürdige Uni Innsbruck geladen, für deren nationalen und internationalen Ruf nicht zuletzt der zu Ehrende verantwortlich sei, betonte der Rektor in seiner Begrüßung. Für sein Wirken als akademischer Lehrer und für seine wissenschaftliche Tätigkeit wurde Dr. Josef Riedmann vom Rektor der Dank im Namen der Republik ausgesprochen. Seppö hat – lange bevor es den Begriff gegeben hat – „public history“ als Lehrer und Forscher betrieben, indem er über den eigentlichen Rahmen der Universität hinaus Geschichte einem breiten interessierten Publikum näherbrachte. Er wirkte nicht nur seit 1982 als Professor für  Geschichte des Mittelalters und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Innsbruck, wo er unter anderem vorübergehend auch die Funktion eines Dekans der Geisteswissenschaftlichen Fakultät bekleidete, bevor er im Jahre 2006 seine aktive Berufslaufbahn beendete, sich aber auch danach weiter in den Dienst der Wissenschaft stellte – als Mitglied zahlreicher historischer Vereinigungen, Kommissionen und Kuratorien. So ist er z.B. seit 1987 Mitglied der hoch angesehenen Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien.

Eine Sensation gelang ihm 2005 mit der Entdeckung von bisher unbekannten Schreiben des Stauferkaisers Friedrich II. (+1250) und seines Sohnes König Konrads IV. (+1254) in einer über 600 Jahre alten Handschrift, die  aus dem ehemaligen Kartäuserkloster Allerengelberg im Südtiroler Schnalstal stammt und heute in der Universitätsbibliothek Innsbruck aufbewahrt wird. Aufarbeitung und Publikation dieses außerordentlichen Glücksfundes nahmen geraume Zeit in Anspruch, sorgten aber für gewaltiges Aufsehen in der historischen Fachwelt und auch darüber hinaus.

In seiner Laudatio stellte Seppös Nachnachfolger, Univ.-Prof. Dr. Jörg Schwarz, fest, als er ausgiebig dessen Leben und Werk würdigte, dass sich eigentlich ganz Tirol in der Vita seines geschätzten Vorgängers spiegle. Schon mit seiner „Geschichte Tirols“ aus dem Jahr 1988 hat Riedmann ein wissenschaftlich fundiertes Standardwerk verfasst, das bis heute in Fachkreisen wie auch von einem breiten Leserpublikum gern herangezogen wird. Neben einigen weiteren Büchern hat der Jubilar mehr als 150 Aufsätze über geschichtliche Themen in Zeitschriften und Sammelwerken veröffentlicht.

Frau em. o. Univ.-Prof. Dr. phil. Brigitte Mazohl von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien hob neben dem großen generellen wissenschaftlichen Engagement auch die starke Verbindung Riedmanns zu Südtirol hervor.

In seinen Dankesworten brach Seppö gründlich mit seiner Gewohnheit, die ihm zugestandene Redezeit nicht zu überziehen. „Wie viel Glück habe ich in meinem Leben gehabt!“ Mit bewegenden Worten schilderte er ausführlich seine schöne, wenn auch durch den Tod des Vaters im März 1945 belastete Kindheit in Oberau während und unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg sowie die für ihn sehr wertvolle Schulzeit am Borromäum in Salzburg, aber auch das Studium in Innsbruck, Marburg an der Lahn und in Wien. Dort erkrankte er schwer an Knochen-Tbc in der Wirbelsäule. Nach seiner Genesung erhielt er eine Anstellung am angesehenen Institut für Österreichische Geschichtsforschung an der Universität Wien, zunächst als wissenschaftliche Hilfskraft und dann nach seiner Promotion 1965 als Universitätsassistent bei dem von ihm sehr geschätzten Univ.-Prof. Heinrich Appelt. In dieser Zeit gewann er einen tiefen Einblick in die Praxis des wissenschaftlichen Arbeitens und sie brachte ihm auch viele Freunde fürs Leben. Längere Forschungsaufenthalte führten ihn nach Rom und Venedig. Als besonderer Glücksfall erwies sich dann jedoch der Wechsel von Wien auf eine Assistentenstelle bei Univ.-Prof. Johann Rainer am Institut für Geschichte an der Universität Innsbruck im Jahr 1969.

1982 wurde Seppö ordentlicher Professor für Geschichte des Mittelalters und Historische Hilfswissenschaften an der Uni Innsbruck, und er bekam für seine Vorlesungen und andere von ihm geleitete Lehrveranstaltungen viele positive Rückmeldungen. Zudem betreute er eine große Zahl von Studierenden, die unter seiner Leitung Dissertationen und Hausarbeiten schrieben. Einen Höhepunkt in der beruflichen Herausforderung bildete die maßgebliche Mitarbeit an der großen gemeinsamen Tiroler Landesausstellung „Eines Fürsten Traum. Meinhard II. Das Werden Tirols“, die im Jahre 1995 zugleich in Schloss Tirol und in Stift Stams gezeigt wurde.

Zum Abschluss seines Dankes bezeichnete Seppö aber als sein ganz besonderes und für ihn wohl größtes Glück seine Familie: seine Frau Irma, die beiden Kinder Bettina und Raimund mit ihren Kindern und Ehepartnern.

Zwei Tage nach dieser Ehrung an der Universität erhielt Seppö zudem am Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum noch einmal in einem würdigen Rahmen die Franz-von-Wieser Medaille verliehen – eine sehr selten vergebene Auszeichnung für besondere Verdienste um die Erforschung des Landes Tirol. 15 Jahre lang hat der Jubilar, der heuer das 80. Lebensjahr vollendet hat, als Vorstand an der Spitze des Museumsvereines gestanden

„Ad multos annos!“ wünschte man dem Geehrten in akademisch üblicher Art und Weise. Wir gratulieren dir, lieber Seppö, auf wildschönauerisch mit einem herzlichen Wunsch für Gesundheit und Freude, aber auch mit freundschaftlichem Dank für alles, was du für deine Heimat Wildschönau geleistet hast und hoffentlich noch lange tun kannst.

Joch Weißbacher

em. o. Univ.-Prof. Dr. phil. Brigitte Mazohl , Univ.-Prof. Dr. Jörg Schwarz, Seppö und Irma Riedmann, Rektor Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Tilmann Märk