Neophyten – Bekämpfung in der Wildschönau

alle Bewohner und Vereine sind zur Mithilfe eingeladen!

Auf Initiative der Erwachsenenschule Wildschönau fand am Fr, 23.06.2017 ein Vortrag zum Thema Neophyten erkennen – bekämpfen – ersetzen statt. Matthias Karadar, MSc.  ist von Seiten des Tiroler Bildungsforums zuständig. Er gab Einblicke in die Entwicklung und Problematik:

 

Neophyten in Tirol

Als Neophyten werden Pflanzen bezeichnet, welche erst nach 1492 durch den Menschen in ein bestimmtes Gebiet gekommen sind.

21 % der in Tirol vorkommenden Pflanzenarten zählen zu den Neophyten. Diese Pflanzen wurden entweder als Zierpflanze für den Garten, als Bienenweide oder für die Forstwirtschaft eingeführt. Einige Neophyten sind wichtige Nahrungspflanzen, wie Kartoffeln, Tomaten oder Kürbisse, welche ihren Ursprung in Amerika haben, und aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken sind. Die meisten dieser Neophyten bleiben dort wo sie angepflanzt wurden oder bereiten keine Probleme, auch wenn sie sich in der Natur ausbreiten.

Einige Neophyten breiten sich unkontrolliert aus und führen zu großen Problemen. Sie verdrängen heimische Pflanzen, können Uferbefestigungen beschädigen und zu Hangrutschungen führen. Einige sind auch für Menschen und Tiere gesundheitsgefährdend und können sehr starke Hautreizungen oder Allergien auslösen. Solche Pflanzen werden als „invasive Neophyten“ bezeichnet.

Überblick – Neophyten in Tirol

 

Verantwortung auch auf dem eigenen Grundstück

Zahlreiche Neophyten wurden und werden unwissentlich weiterverbreitet. Invasive Pflanzen können durch Samen oder auch durch achtlos entsorgte Grünschnittabfälle in die Natur gelangen und sich ausbreiten, ohne dass die ökologischen Folgen bekannt sind.

Im Hausgarten lassen sich invasive Neophyten einfach durch heimische Blumen, Sträucher und Bäume ersetzen. Heimische Pflanzen sind zudem besser geeignet, Tieren wie Insekten und Vögeln Nahrung und Lebensraum zu bieten. Idealerweise sollte man deshalb invasive Neophyten im Garten komplett entfernen.

Wer invasive Neophyten wieder loswerden möchte, muss Durchhaltevermögen besitzen. Ein einmaliges Entfernen der Pflanzen führt meist dazu, dass diese vermehrt aus Samen, Wurzeln und Rhizomen austreiben und der Bestand noch dichter wird. Die Bekämpfung muss somit über mehrere Jahre konstant durchgeführt werden. Darüber hinaus dürfen die Pflanzen nicht im eigenen Hauskompost entsorgt werden. Hierbei sind die Temperaturen oft nicht hoch genug, um alle Pflanzenteile abzutöten. Wilde Kompostierung an Bachufern oder Waldrändern muss vermieden werden, da solche Stellen idealer Nährboden für eine Ausbreitung von Neophyten darstellt. Einige Neophyten können sich durch wenige Zentimeter große Wurzelstücke vermehren.

Brach liegende Flächen, oder Flächen ohne Vegetation können zur Etablierung großer Neophyten-Bestände führen. Durch die sofortige Einsaat, idealerweise mit Heublumen gemischt mit Hafer oder Roggen wird einem solchen Neophyten-Bestand vorgebeugt. Auch eine regelmäßige Mahd, ein bis zwei Mal im Jahr, verhindert ein Aufkommen von invasiven Neophyten.

 

Gemeinschaftliche Bekämpfung in der Wildschönau

Die Bekämpfung der invasiven Neophyten in der Wildschönau kann nur dann zu einem Erfolg führen, wenn viele fleißige Hände mithelfen!

In erster Linie ist deshalb jeder Garten- und Grundbesitzer aufgefordert, in seinem Umfeld ein offenes Auge für diese Pflanzen zu haben und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. In diesem Zusammenhang sei auch unseren Landwirten einmal ein großer Dank für die saubere Bewirtschaftung unseres Tales ausgesprochen – auf gepflegten Kulturflächen ist kaum eine Ausbreitung von Neophyten zu finden.

Bei weiteren öffentlichen Flächen wird die Bekämpfung durch Freiwillige aus dem Tal organisiert. Dabei übernimmt ein Verein oder auch Privatpersonen einen gewisser Abschnitt in der Wildschönau. Dieser Bereich sollte dann über mehrere Jahre bearbeitet werden. Einige Vereine haben sich schon zur Mitarbeit bereiterklärt. Weitere Interessenten mögen sich bitte im Gemeindeamt melden, damit weitere Flächen koordiniert eingeteilt werden.

Die zwei wichtigsten invasiven Neophyten in der Wildschönau sind das Springkraut sowie der Staudenknöterich. Dazu hier noch genauere Beschreibung und Bekämpfungsmaßnahmen:

Bekämpfung des drüsigen Springkrauts:
Bei flächigen Beständen gelingt ein Zurückdrängen am ehesten durch Mahd, und zwar so tief wie möglich und KURZ VOR DER BLÜTENBILDUNG – d.h. JETZT Ende Juni ist die optimale Zeit dafür!!
Einzelpflanzen können auch ausgerissen werden.
Das Pflanzenmaterial kann am Recyclinghof der Gemeinde Wildschönau entsorgt werden.

Bekämpfung des Staudenknöterichs:
Der Staudenknöterich besitzt eine meterlange ausdauernde Pfahlwurzel (Speicherwurzel).
Eine Schwächung der Pflanze kann über oftmaliges Mähen (alle 14 Tage) erfolgen.
Bei flächenhaften Beständen ist auch eine Beweidung mit Schafen und Ziegen möglich.
Bei kleineren Beständen kann die gesamte Pflanze gründlich ausgegraben werden.
Beim Einsatz von Herbiziden (Glyphosat) bestehen Chancen den Japanknöterich dauerhaft zum Verschwinden zu bringen, allerdings ist dies insbesondere an Gewässern nicht zulässig, da damit auch die Gewässerökologie beeinträchtigt wird. Auch hier ist oft eine Nachbehandlung notwendig.
Das Pflanzenmaterial kann ebenfalls am Recyclinghof der Gemeinde Wildschönau abgegeben werden und ist als Restmüll zu entsorgen!

 

 

Weiters finden Sie hier weitere Informationen zu Neophyten und können sich mit Klick die Broschüre des Tiroler Bildungsforums downloaden….