“Schnöllen” beim Niederauer Dorfabend

Sabrina Schöpf ist 16 Jahre alt und kommt aus dem wunderschönen Ötztal. Derzeit macht sie ein landwirtschaftliches Praktikum am Hartlhof in Niederau. Beim dieswöchigen Niederauer Dorfabend zeigt die junge Ötztalerin vorm Konzert der BMK Niederau ihr Können mit der “Goasl”. Diese kleine Vorführung sollte man sich nicht entgehen lassen…

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Neben dem Fußball spielen hat mir mein Vater das Schnöllen gezeigt. Schnöllen ist ein Brauchtum. Früher haben die Almleute oben auf dem Berg zu einer gewissen Zeit geschnöllt. Damit wussten die Bauersleute im Tal, dass alles mit dem Vieh in Ordnung ist. Wenn kein Schnöllsignal zu hören war, machten sich die Bauers Leute auf den Weg zur Alm.  Jetzt wird nur noch gelegentlich geschnöllt, zum Beispiel beim Almabtrieb, bei Hochzeiten und beim Schnöllerwettberb. Seit November 2016 bin ich Tiroler Meisterin. Beim Dorfabend habe ich nur meine kleine Goasl mit, da die große nicht im Koffer Platz hatte…

Schon seit Jahrhunderten gehört das Schnöllen in Österreich, Bayern und Südtirol zum Brauchtum. Mit einer langen Peitsche, im Dialekt „Goasl”, wird dabei durch schnelle Bewegungen über dem Kopf ein lauter Knall erzeugt. Was leicht aussieht, hat es ganz schön in sich – zum “Schnöllen“ braucht man viel Ausdauer, Kraft und vor allem Koordinationstalent. Damit es richtig laut schnallt, muss die Goasl in einem schönen, liegenden Achter über dem Kopf geschwungen und dann ruckartig zurückgezogen werden. Dabei kommt es vor allem auf eine ordentliche Beschleunigung an: Der Knall kommt nämlich nur, wenn genügend Geschwindigkeit erreicht wird. Beherrscht man die Grundbewegung, kann man sich an bestimmten Schlagfolgen und -arten, wie beispielsweise Vorhandschlag, Rückhandschlag oder Doppelschlag versuchen. Bis man jedoch soweit ist, heißt es üben, üben, üben…

Die Goasl besteht aus einem kurzen Stiel und einem langen, geflochtenen und mit Fett eingelassenen Strick. Der wichtigste Bestandteil der Goasl ist jedoch ganz klein: Am Ende des Stricks befindet sich ein kurzes Baststück oder eine Perlonschnur, mit denen eigentlich erst der Ton entsteht.

(Quelle: www.medien-service.cc)